Im Gedenken

-Ein stiller Feiertag-

Der in sich gekehrte Engel
Der in sich gekehrte Engel

Am 1. November ist im Christentum ein besonders stiller Feiertag. Allerheiligen. Es ist ein Tag des Gedenkens an alle Heiligen und an Allerseelen (2. November) an alle Verstorbenen, die von uns gegangen sind. Viele Menschen gehen an diesem Tag zum Friedhof, schmücken das Grab mit Blumen, zünden ein Licht an, stellen meistens einen Engel dazu und nehmen traditionell an der Gräbersegnung teil. Da ich in meinen Beruf vor Allerheiligen sehr viele Aufträge ausführe, weiß ich aus Erfahrung das es nicht immer leicht ist die Leute zufrieden zu stellen. Jeder einzelne hat da oft seine eigene ganz persönliche Vorstellung wie das Grab auszusehen hat, die dann umgesetzt werden soll. Meistens wird das zu einer größeren Herausforderung für den Floristen, denn es möchte doch jeder ein schönes geschmücktes Grab haben.

Der betende Engel
Der betende Engel

Doch Allerheiligen und Allerseelen ist für mich noch viel mehr, als ein ruhiger Feiertag. Ich erinnere mich zum Beispiel an schöne, wunderbare Erlebnisse die mich mit dem oder der verstorbenen Person verbinden. Da das Hochfest auch an die Auferstehung Jesu erinnert, stelle ich mir vor, das auch unsere Lieben jetzt in einer anderen und besseren Welt leben, die vor allem auch friedlicher ist. Wenn ich mir zur Zeit die Weltnachrichten ansehe, kommt mir mehr oder weniger das Grauen. Mord, Gewalt, Krieg, Hass und auch der wieder aufkommende Antisemitismus regiert die Welt. Warum passieren so viele grauenhafte Dinge um uns herum?  Wenn jeder eine Geste des Friedens mit einbringt, wäre schon das ein Erfolg im Zusammenleben mit den verschiedenen Völkern auf dieser Erde. Und dennoch bleibt der Zweig der Hoffnung für eine bessere Völkerverständigung unter den Menschen, denn diese stirbt ja bekanntlich zuletzt.

"Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt." Die Textzeile, die Herbert Grönemeyer in seinem Lied "Der Weg" singt ist besonders schön und beinhaltet so viel wahres. Wenn uns ein lieber und nahestehender Mensch verlässt bleibt immer eine gewisse Leere zurück. Als meine beiden Großväter verstarben fühlte ich auch diese Leere und die Trauer. Doch ich dachte an die schönen, unvergessenen Erinnerungen, die mich auch zum Schmunzeln brachten, denn irgendwie ist es so wie ein langer Weg den wir stets gehen. Und wenn er zu Ende ist, gehen wir einen anderen... und den weiß Gott allein.

Allerheiligengesteck
Allerheiligengesteck
Ein gestecktes Kreuz
Ein gestecktes Kreuz

Symbolik der wichtigsten Pflanzen an Allerheiligen

Schon ein sattes, grünes Moos wird von mir als Floristin in Gestecken gern zu Allerheiligen verarbeitet. Es symbolisiert die Stille, Ruhe und auch das langsame Wachstum. Bereits der Geruch erinnert an den Wald und die Natur. Moos ist etwas richtig dauerhaftes und wird zu einem großen grünen Teppich durch die verschiedenen, zahlreichen Arten, die es gibt.

Das Heidekraut oder die Besenheide, wie sie auch gern genannt wird steht für Leere, Tod und Trauer. Aber sie kann auch als Symbol für ein ausgeglichenes Lebensgefühl gewertet werden. Die vielfältigen Arten sind sehr beständig und halten sehr lange in der Erde. Die winterfeste Schneeheide in zartrosa oder weiß ist besonders robust.

Calocephalus oder Silberdraht wirkt als winterfeste Pflanze dagegen wie ein Gefängnis. Wie ein Stacheldrahtzaun engt er in seiner Symbolik  alles ein und steht für die Unfreiheit.  Auch wir selbst fühlen uns manchmal eingeengt in unserer Umgebung. Das Leben kann also auch eine Art Zwangsjacke sein, die aber aufgemacht werden kann. 

Auch die Tuje oder der Lebensbaum steht für die Unsterblichkeit. Er ist die Quelle des Lebens und wird auch symbolisch mit Jesus, der am Kreuz starb in Verbindung gebracht. In vielen alten Darstellungen befindet sich oft ein Lebensbaum anstatt des traditionellen Kreuzes.

Obwohl die Tanne zu Weihnachten ihren festen Platz hat, wird sie schon im Oktober in den Schalen und Gestecken verarbeitet. Sie ist das Zeichen für Fruchtbarkeit, Lebenskraft und auch Hoffnung. Die alten Germanen glaubten, das durch die Symbolkraft der Tanne böse Geister vertrieben wurden. Die Nordmanntanne, die wir in der Floristik verwenden, wurde nach den Biologen Alexander von Nordmann benannt, der sie im Kaukasus im Jahre 1835 entdeckte.