Leonardo da Vinci, Universalgenie

Der Engel, nach einer Vorlage von da Vinci´s Felsgrottenmadonna
Der Engel, nach einer Vorlage von da Vinci´s Felsgrottenmadonna

Leonardo da Vinci (1452-1519) gehört zu den wichtigsten Vertretern der Renaissance und zählt zu den Universalgelehrten jener Zeit. Er ist ein genialer Erfinder, Maler und beschäftigt sich vor allem mit dem Mensch, der in dieser Zeit in den Mittelpunkt rückt. Berühmt ist der vitruvianische Mensch, der ganz naturgetreu von da Vinci mit den richtigen Proportionen gezeichnet wurde und sich heute auf allen Krankenversicherungskarten befindet. Schon an diesem Beispiel sah man, wie sehr er sich mit dem Körperbau des Menschen auseinandersetzte. Dieses Wissen übertrug er dann auf das berühmte Gemälde der Mona Lisa, die vielleicht nicht jeden anspricht, aber ein Zeugnis für die Hohe Kunst ist.

 

Leonardo kommt im April 1452 in Vinci in der Nähe von Florenz zur Welt. Er war ein uneheliches Kind der von seinem 

Großvater aufgezogen wurde. Leonardo hatte nie studiert und genoss auch keine wirkliche Schulbildung. In seiner Umgebung, also der Natur suchte er nach Antworten. Er war neugierig und hinterfragte viele Dinge, warum, wieso, weshalb ist das so? Ein schönes Beispiel ist das Wasser. Was ist Wasser und wie bewegt es sich? Er ging den Dingen tiefgründig entgegen und versuchte den Ursprung herauszufinden... Das Wasser verglich er mit einer Haarsträhne, die hinunter fiel und sich dann in Wirbeln immer spiralförmig weiterdrehte und so ständig in Bewegung war. Man kann also sagen das er sich durch die Natur sein Wissen aneignete. Geologie, Biologie, Technik, Geometrie, Mathematik und die menschliche Anatomie waren die Bereiche, die er sehr genau studierte. Wissbegierig saugte er alles in sich auf...

 

Leonardo war ein radikaler Denker, schrieb Notizbücher, fertigte detailgetreue Zeichnungen an und erfand auf dem

Papier Waffen und alle möglichen Flugapparate, die aber nicht gebaut wurden. Zur Kirche hat er eher ein zwiespältiges Verhältnis, obwohl er sich in der Öffentlichkeit gläubig gibt. Er hinterfragt sehr vieles, was die Kirche betrifft. Ein Faktum ist jedoch, das Leonardo seine Erfindungen und Erkenntnisse geheim halten wollte. Zwar wurde er weltberühmt für seine Malerei, aber die eigentlichen Ambitionen lagen wo anders. Ein Gedanke des Genies war es sicher auch  ein genialer Ingenieur zu werden. Als Jugendlicher zog er dann vom Land direkt in die Stadt Florenz. Da Vinci wollte Berühmtheit erlangen... Leonardo bekommt eine Lehrstelle in der Werkstatt bei Andrea del Verrocchio, der in Florenz ein angesagter Bildhauer war. Früh erkennt er dessen Talent und fördert den jungen Mann.

 

Was da Vinci noch faszinierte war der Traum von Fliegen. Akribisch zeichnete er Flugapparate und studierte dabei das Fliegen der Vögel. Wie konnten sie sich nur in der Luft halten und kann auch der Mensch einmal fliegen? Er baute sich

Flügel aus Papier und spannte sie über einfache Stöcke und probierte sie auch aus. Doch die Versuche scheiterten...  

Verrocchios Werkstatt war eine Art Kunsthochschule und Wohnheim zugleich. Leonardo lernte zu dieser Zeit wichtige Grundtechniken der Malerei kennen und konnte schon bald ganz akkurat mit dem Silberstift zeichnen. Dieser Stift ist ein Vorgänger vom Bleistift und hat nur ein Problem. Man kann Vermalungen nicht wegradieren. Der Zeichner mußte also sehr genau arbeiten. Leonardo übertraf seinen Meister in der Malerei. Es heißt das Verrocchio nie wieder einen Pinsel in die Hand nahm.

 

1478 malt Leonardo dann sein erstes Frauenportrait (Ginevra de` Bencis). Als da Vinci seine eigene Werkstatt gründet, erhält er 1478 seinen ersten Auftrag. Er malt an dem Gemälde Anbetung der Könige, was aber unvollendet bleibt. 1481 zieht Leonardo von Florenz nach Mailand. An den Herzog von Sforza lässt er einen Brief schreiben und bietet ihm somit seine Dienste an. Leonardo zeigt ihm Entwürfe von Kriegsmaschinen und Waffen, die man bauen könnte, aber das wird nicht umgesetzt. Für den Herzog arbeitet er mit Unterbrechungen über zwanzig Jahre lang. Außerdem soll er im Auftrag von Ludovico Sforza ein Reitermonument entwerfen. Im Jahre 1492 entstand dann die Proportionsstudie der vitruvianische Mensch, in der Leonardo detailgetreu die Körperproportionen des Menschen darstellt. Er wollte das äußerliche und innere des Menschen genau kennenlernen und begann an einem Buch zu arbeiten (von der menschlichen Figur). Durch das Sezieren von Verstorbenen sah er wie der Körper des Menschen aufgebaut war und wie er funktionierte.

 

Da sehr viele Festivitäten am Mailänder Hof stattfanden, bekam Leonardo immer wieder Aufträge. 1483 entstand die

erste Fassung der Felsgrottenmmadonna. Der Auftrag kam von der Franziskanerkirche San Francesco in Mailand. Weitere

Gemälde aus dieser Epoche waren Die Dame mit dem Hermelin oder die Madonna Litta1494 beginnt er mit der Arbeit am letzten Abendmahl, einen Auftrag den er von Ludovico erhält. Das Werk wurde mit Temperafarben auf eine trockene Gipswand aufgemalt, litt jedoch in den darauffolgenden Jahren durch Feuchtigkeit an Schimmelbildung, so das die Farben immer mehr abblättereten. Erst um 1970 konnte man es mit neuen Restaurationstechniken weitestgehend wieder herstellen. Die biblische Szene zeigt Jesus am langen Tisch beim letzten Abendmahl, als er den Jüngern offenbart, das er von einem verraten wird. 1498 wird das Wandgemälde von Leonardo fertiggestellt. Es zählt zu seinen besten malerischen Werken.

 

Bis zum Lebensende suchte da Vinci nach Antworten über die Geheimnisse des Lebens. Seine Erfahrungen über die 

Naturwissenschaften und seine Erfindungen schrieb er in Notizbücher und hinterlässt uns somit einen Schatz, der auch heute noch das Prädikat wertvoll trägt. Von 1503-1506 malt er wohl an seinem bekanntesten Gemälde der lächelnden Mona Lisa, die das Lächeln aber nur andeutet. In diesem Bild einer einfachen Kaufmannsfrau perfektioniert Leonardo seine ganze Maltechnik. Seine Beobachtungen aus der Natur, Geologie und die Bewegungstheorien, wie Proportionen und all sein anatomisches Wissen fließen in dieses Bild mit ein. Wir können also festhalten, das da Vinci nicht umsonst zu einen der größten Genies aller Zeiten gehört.

 

Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, Alte Pinakothek München Foto: privat
Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, Alte Pinakothek München Foto: privat

Leonardos Madonna mit der Nelke ist das einzige Gemälde was in einem deutschen Museum ausgestellt ist. Es wird 

seit 1889 in der alten Pinakothek in München gezeigt. Das Bild entstand zwischen 1473 und 1478 und zählt zu den Frühwerken des Malers. Dargestellt ist das Jesuskind und die Gottesmutter, die eine Nelke in der Hand hält. Im Hintergrund sieht man vier Rundbögen mit vier Säulen, die eine bergige Landschaft zeigen. Auf der rechten Seite, neben Maria steht eine Vase mit einem Blumengebinde. Da Vinci zeigt schon in diesem Jugendwerk was für ein guter Maler er ist. Die Farben sind passend gewählt und ergänzen sich mit der ganzen Bildkomposition. Gemalt wurde das Bild mit Tempera und Ölfarbe auf Pappelholz. Der goldgelbe Unterrock ist eine liegende Acht, also ein Hinweis auf die Geburt des

kleinen Jesus, vgl. Fisch (Christentum).