George - eine Persönlichkeit für sich

Bürgerlicher Name: Georg August Friedrich Hermann Schulz

Heinrich George
Heinrich George

Der kleine Götz ist erst sieben Jahre alt, als er den Vater zum letzten Mal sieht. Es ist Nikolaustag 1945 und es ist kalt in Berlin. Mit seiner Mutter Berta Drews ist er auf den Weg zum Vater ins Lager Hohenschönhausen. Heinrich George wurde denunziert und in das Speziallager gebracht. Gefangenschaft. Der Vorwurf, er sei einer der größten Nazischauspieler und ein wüster Propagandist in den letzten Kriegstagen gewesen. Berta und Götz stehen am Eisenzaun und freuen sich auf den Vater, der mit weit ausholenden Schritten beiden entgegen kommt. Mit ausgebreiteten Armen hebt er den Sohn hoch und drückt ihn an sich... Im Juli 1946 kommt er ins sowjetische Internierungslager Sachsenhausen und stirbt am 25. September wahrscheinlich an den Folgen einer Blinddarmoperation. 

In Stettin kommt er am 9. Oktober 1893 zur Welt. Er bricht die Oberrealschule in Berlin ab und nimmt Schauspielunterricht. Die ersten Engagements führen ihn nach Neustrelitz, Bromberg oder ins heutige polnische Kolberg. 1914 meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wird aber schwer verwundet und 1917 entlassen. Weitere Bühnenerfahrungen macht er in Dresden und später in Frankfurt am Main (1918-1921). Der schwergewichtige George strotzt nur so vor Vitalität und spielt mit seiner prägnanten Erscheinung imposante Führerpersönlichkeiten. Ausdrucksstark ist vor allem sein Theaterspiel mit dem er das Publikum begeistert. Im Jahr 1921 wechselt er an das Deutsche Theater nach Berlin, unter Leitung von Max Reinhardt. 1921 sammelt er auch die ersten Filmerfahrung, zunächst als Nebendarsteller. In Fritz Langs "Metropolis" verkörpert er einen kämpferischen Anführer. Aber Heinrich wollte auch unabhängig sein und gründete 1923 mit zwei Kollegen das Berliner Schauspielertheater. 

Heinrich George
Heinrich George

Als Mitglied des Ensembles am preußischen Staatstheater (1923-1934) bewies er seine Kunst in vielen zahlreichen Heldenrollen. Heinrich war ein leidenschaftlicher Theaterliebhaber und zeigte seine starke Präsenz in Rollen wie Othello, Wallenstein oder in seiner Lieblingsfigur den Götz von Berlichingen (1480-1562). Später nannte er seinen Sohn auch Götz, in Anlehnung an den fränkischen Reichsritter mit der eisernen Hand. 1927 übernahm George auch selbst die Regie von Bühnenstücken und war der KPD sehr nahe gestanden. Er war einer der Organisatoren im Jahr 1930, der einen Schauspielerstreik der Kommunistischen Partei mitinitiierte. Bergauf ging es auch beim Film. Er spielte den Franz Biberkopf in "Berlin Alexanderplatz" von 1931 oder auch in zwei Hollywood-Produktionen "The big house" und "Wir schalten um auf Hollywood". George wurde in der NS-Zeit durch Goebbels zum Staatsschauspieler und ab 1938 zum Intendanten des Berliner Schillertheaters ernannt. Erfolgreiche Filme wie der "Postmeister" (1940), "Heimat" (1938) oder das Durchhaltedrama "Kolberg" von 1945 entstanden. Obwohl Heinrich Kompromisse mit dem Regime eingehen musste, soll er vielen Kollegen (NS-Gegner) Unterschlupf geboten haben. Seit Juni 1945 war er in Hohenschönhausen. In sowjetischer Gefangenschaft inszenierte er sogar noch Theaterstücke mit Mitgefangenen und spielte noch einmal den Puschkin-Postmeister in russischer Sprache. Er spielte bis zuletzt mit Leidenschaft... Sein wohl letztes Wort war "Götz".